Schmerzen im Knie sind eine der am weitesten verbreiteten Beschwerden, insbesondere bei zunehmendem Alter. Oft treten sie allmählich auf und machen sich vielleicht durch ein Unbehagen beim Treppensteigen, Steifigkeit am Morgen oder Schwierigkeiten beim Ausführen einfachster Bewegungen bemerkbar.
In vielen Fällen ist eine Arthrose im Kniegelenk (Gonarthose) die Ursache, doch damit umzugehen bedeutet nicht, Bewegungen zu vermeiden, sondern, ganz im Gegenteil, es bedeutet zu lernen, sich auf die richtige Weise zu bewegen.
Was ist eine Arthrose im Kniegelenk?
Eine Arthrose ist ein degenerativer Prozess, der den Gelenkknorpel betrifft, der wie ein „Polster“ wirkt und ein reibungsloses Gleiten der Knochen ermöglicht. Mit der Zeit nutzt sich dieser Knorpel ab und wird dünner. Die Folge: Bewegungen werden weniger flüssig, Reibung und Entzündungen nehmen zu und es treten Schmerzen auf. Es handelt sich also um eine fortschreitende Abnutzungserscheinung, die jedoch nicht zwangsläufig zu einer Behinderung führen muss.
Anzeichen, die man nicht unterbewerten sollte
Eine Arthrose im Kniegelenk ist keine Erkrankung, die plötzlich auftritt; es gibt Anzeichen dafür, die oft ignoriert werden:
- Schmerzen während oder nach Bewegungen,
- Steifigkeit nach Phasen der Inaktivität,
- Schwierigkeiten beim Treppensteigen und ein
- Gefühl der Instabilität.
Diese Anzeichen frühzeitig zu erkennen, ist entscheidend, um auf wirksame Weise einzugreifen.
Arthrose und Bewegung: ein Balanceakt, der von Fall zu Fall abgewogen werden muss
Wenn das Knie schmerzt, besteht die häufigste Reaktion darin, die Bewegungen einzuschränken. Bei einer fortgeschrittenen Arthrose kann diese Entscheidung unvermeidlich sein, da Schmerzen und Steifheit die Funktionalität des Gelenks auf signifikante Weise beeinträchtigen können.
Bei weniger schweren Ausprägungsformen oder in den frühen und mittleren Stadien der Erkrankung ist Bewegung jedoch – sofern sie angemessen und angeleitet erfolgt – ein wesentlicher Bestandteil der Behandlung einer Arthrose. Aktivitäten wie kontrolliertes Gehen, Übungen zum Muskelaufbau und individuell abgestimmte, physiotherapeutische Programme tragen dazu bei, die Mobilität zu erhalten, das Gelenk zu stützen und die Schmerzsymptome einzudämmen.
Anstatt die Bewegungen wahllos einzuschränken, ist es wichtig, sie individuell entsprechend an den eigenen Zustand anzupassen: sich also nicht weniger zu bewegen, sondern sich, wann immer möglich, angemessen und bewusst zu bewegen.
Belastungen reduzieren, Haltung verbessern
Einer der wichtigsten Aspekte beim Umgang mit einer Arthrose ist das Verteilen von Lasten, denn oft liegt das Problem nicht nur im Verschleiß des Knorpels am Knie, sondern darin, wie das Gewicht auf das Gelenk verteilt wird.
Eine Fehlhaltung kann die Belastung auf einen einzigen Teil des Knies konzentrieren und so den degenerativen Prozess beschleunigen. Bei diesem Aspekt anzusetzen, bedeutet, Schmerzen zu lindern, das Fortschreiten der Arthrose zu verlangsamen und die Funktionsfähigkeit zu verbessern.
Die Rolle orthopädischer Hilfsmittel
In vielen Fällen kann der Einsatz orthopädischer Hilfsmittel einen großen Unterschied ausmachen.
Spezifische Stützbandagen und Orthesen helfen dabei:
- das Knie zu stabilisieren
- die am stärksten belasteten Bereiche zu entlasten
- die Bewegungen zu führen
Es geht nicht darum, das Gelenk zu „blockieren“, sondern es bei Bewegungen auf die richtige Weise zu begleiten, ja es zu führen, um mehr Bewegungsfreiheit zu ermöglichen und dies bei weniger Schmerzen.
Auch die täglichen Gewohnheiten haben eine bedeutende Auswirkung. So ist es wichtig, ein angemessenes Gewicht* zu erlangen bzw. zu halten, lang anhaltende Überlastungen zu vermeiden und ein geeignetes Schuhwerk zu wählen. Das sind einfache Maßnahmen, die jedoch mit der Zeit einen Unterschied bewirken.
Es gibt nicht die eine Universallösung für alle. Jedes Knie hat eine andere Geschichte, was die Erkrankung und den Leidensdruck betrifft; dazu kommen unterschiedliche Lebensstile und Anforderungen im Alltag. Aus diesem Grund ist es bei der Pathologie Gonarthrose wichtig, einen individuellen Ansatz zu verfolgen, der Bewegung, orthopädische Unterstützung und gegebenenfalls medizinische Behandlungen sinnvoll integriert.
Fazit
Eine Arthrose im Kniegelenk ist eine häufige Erkrankung, doch mit dem richtigen Ansatz lassen sich Schmerzen lindern, eine gute Beweglichkeit erhalten und Einschränkungen beim Bewältigen alltäglicher Aktivitäten minimieren. Mit einer Arthrose umzugehen, bedeutet nicht aufzuhören, sich zu bewegen, sondern ein neues Gleichgewicht bei den Bewegungen zu finden und Schritt für Schritt auf so natürliche Weise wie möglich weiterzugehen.
*Ein erhöhter BMI steht in einem klaren Zusammenhang mit einem erhöhten Risiko für das Entstehen und das Fortschreiten einer Gonarthrose. Neben der höheren mechanischen Belastung des Kniegelenks können auch entzündliche Stoffwechselprozesse bei Übergewicht zur Gelenkdegeneration beitragen. Eine Metaanalyse zeigte, dass das Risiko bei Adipositas etwa 4,6-fach höher ist und pro Anstieg des BMI um 5 kg/m² um etwa 35 % zunimmt. (Quelle: Zheng H, Chen C. Body mass index and risk of knee osteoarthritis: systematic review and meta-analysis of prospective studies. BMJ Open. 2015;5:e007568.)



